Minden: „Blick nach vorn“ auf der ganz großen Bühne – Preisträger beim Theatertreffen der Jugend in

„Das Ensemble Wunderbar erzählt mit wenig Sprache eine Geschichte, die bewusst nicht die Fluchterfahrungen in den Vordergrund stellt, sondern eine Abenteuerreise par excellence kreiert“, heißt es in der Begründung der Jury für die Auswahl des Mindener Preisträgers.

Pressemeldung vom 29. Mai 2017, 16:33 Uhr

Nach der Premiere von „Blick nach vorn“ im Rahmen des Konvents „Das neue Wir“ am 11. Februar war das eigenproduzierte Stück am 20. März im Stadttheater noch einmal zu sehen. Was fast keiner in den ausverkauften Reihen wusste: im Publikum saß die Jury für das 38. Theatertreffen der Jugend. Das Stadttheater Minden hat sich mit der „Theatergruppe Wunderbar“ ins Rennen geworfen und gewonnen. „Darüber freuen wir uns riesig“, so Regina-Dolores Stieler-Hinz, Beigeordnete für Bildung, Kultur, Sport und Freizeit. „Das ist ein ganz toller Erfolg“, ist Theaterleiterin Andrea Krauledat begeistert.

„Blick nach vorn“ wird nun – neben sieben weiteren Produktionen – im Haus der Berliner Festspiele“ vom 2. bis 10. Juni beim Theatertreffen der Jugend gezeigt. Von 114 Ensembles kamen 20 eingereichte Stücke in die Zwischenauswahl, aus denen die Jury des Bundeswettbewerbs schließlich nach Vorstellungsbesuchen die diesjährigen Preisträger*innen bestimmt hat. Das Stück wurde gefördert durch „Wege ins Theater“ (ASSITEJ e.V. Deutschland) aus dem Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Die „Theatertruppe Wunderbar“ ist auch zum 27. Bundestreffen „Jugendclubs an Theatern“ am Theater Bremen im Oktober 2017 eingeladen. Ausgewählt wurden sechs Produktionen, die dort aufgeführt werden.

„Blick nach vorn“ ist ein Kooperationsprojekt, das im März 2016 entstand, bestehend aus dem Zusammenschluss des Stadttheaters Minden, des Deutschen Roten Kreuz – Elsa Brandström Jugendhilfe und des Vereins zur Förderung der kulturellen Bildung in Minden e.V. Die Schauspieler*in sind acht junge Geflüchtete und zwei Jugendliche aus Minden. Durch das gemeinsame Spielen seien neue Wege gefunden worden, um miteinander zu kommunizieren. „Die Grundidee war, dass die Jugendlichen sich spielerisch mit für sie aktuellen Themen auseinandersetzen. Dabei ist es zweitrangig gewesen, ob bereits Theatererfahrungen gesammelt wurden“, so Theaterpädagogin Viola Schneider, die zusammen mit Regisseur Canip Gündogdu das Projekt begleitet hat.

„Solche Projekte sind nur möglich, weil das Stadttheater hierfür einen Rahmen und auch Kapazitäten bietet. Offenheit und Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, sind eine weitere Voraussetzung“, macht Theaterleiterin Andrea Krauledat deutlich. Nicht ohne Stolz merkt sie an, dass Minden als eigentlich reines Bespieltheater immer wieder mit anerkannten Eigenproduktionen und eben einem solchen Stück wie „Blick nach vorn“ bundesweit heraussticht. Andrea Krauledat fährt zusammen mit Viola Schneider und dem Team der Technik nach Berlin. „Blick nach vorn“ wird am 4. Juni im „Haus der Berliner Festspiele“ um 20 Uhr aufgeführt.

Zum Stück: Elf junge Menschen machen sich auf den Weg. Mitten im Gesicht ist die kleinste Maske der Welt, eine rote Nase. Mit gerade einmal einem kleinen Beutel machen sie sich auf und erleben eine Abenteuerreise, die sie so schnell nicht vergessen werden. Wohin sie wollen, ist nicht wichtig, wo sie ankommen auch nicht. Auf hoher See kommt es wie es kommen muss, ein Sturm zieht auf. Panisch klammern sich die Clowns aneinander und hoffen auf die Gnade Poseidons. Wie durch ein Wunder überleben alle und rudern mit letzter Kraft auf ein ihr unbekanntes Land zu. Skurrile Begegnungen mit Menschen und neue Situationen lassen die Clowns staunen und lernen. Mit viel Ernst und Augenzwinkern spielen die Schauspielerinnen ihre Erlebnisse aus der Vergangenheit und thematisieren ihre Wünsche und Hoffnungen für die Zukunft. Musikalisch illustriert und getragen wird das Stück vom Beatbox-Meister „Mando“.

Die Theatergruppe Wunderbar des Stadttheater Minden setzt sich zusammen aus: Monika Natrosvili, Belall Sadat, Nabiullah Safi, Ali Yousufi, Ziarullah Sahak, Mustafa Yousufi Wafa, Helall Sadat, Emal Ibrahimkhel, Jan, Nwattu und Pirooz Sarvari. Für die Inszenierung zeichnen Regisseur Canip Gündogdu und Theaterpädagogin Viola Schneider verantwortlich. Die musikalische Leitung hat Daniel Mandolini (Mando).

Das Theatertreffen der Jugend 2017 präsentiert mit acht ausgewählten Produktionen vielfältige Formen und Inhalte und spiegelt die mannigfaltigen Hintergründe und Erfahrungen der jugendlichen Theaterensembles wider. Die Auswahl der Jury geht aus einem deutschlandweiten Wettbewerb hervor und umfasst Schulaufführungen, Produktionen aus der freien Szene und Arbeiten von Theater-Jugendclubs. Allen Projekten gemein sind dabei die Betrachtung gesellschaftlicher Zustände und, damit verbunden, die Auseinandersetzung mit bestehenden Machtverhältnissen sowie die Frage nach Selbstbestimmung.

„Das Ensemble Wunderbar erzählt mit wenig Sprache eine Geschichte, die bewusst nicht die Fluchterfahrungen in den Vordergrund stellt, sondern eine Abenteuerreise par excellence kreiert“, heißt es in der Begründung der Jury für die Auswahl des Mindener Preisträgers. Und weiter: „Die nicht zu unterschätzende Barrierefreiheit des Stücks (durch wenig Sprache) zeichnet sich u.a. durch eine Vielzahl an starken Bildern aus, die dem Publikum viel Raum lassen und dabei subtil und pur bleiben.“ Dann das große Lob: „Mit viel Humor und Augenzwinkern eröffnet uns das junge Ensemble vielschichtige Perspektiven. Sie sprühen vor Spielfreude und entfalten immer wieder zarte, leise Töne, die bewegen. Mit einfachsten Mitteln wird hier Magisches erschaffen: poetische Bilder, die lange nachklingen und eine wunderbare musikalische Begleitung, die durch die Inszenierung eine berührende Tiefe erfährt.“

Die diesjährige Jury des Theatertreffens der Jugend setzt sich aus zehn Theaterschaffenden zusammen – in diesem Jahr aus Elizabeth Blonzen (Berlin), Bassam Ghazi (Köln), Antigone Akgün (Frankfurt am Main), Ilias Botseas (Giesheim), Carmen Grünwald-Waack (Hildesheim), Anne-Kathrin Holz (Schwerin), Sebastian Mauksch (Berlin), Rieke Oberländer (Bremen), Klaus Riedel (Kassel) und Undine Unger (Leipzig).

Quelle: Stadt Minden – Pressestelle