Minden (hel). Ein sich nach hinten verjüngender Kasten mit fehlenden Elementen in Wänden, Decke und Fußboden, durch die die Akteure auf- und abtreten – so sieht der Gerichtssaal in Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“ im Mindener Stadttheater aus. Das Ambiente sorgt von Anfang an für klaustrophobische Stimmung. Der Reihe nach werden hier einige der Protagonisten in die Enge getrieben, ehe am Ende Dorfrichter Adam (Arno Kempf) nicht mehr leugnen kann, dass er der Schuldige ist.

(…) Eve, hervorragend gespielt von Julia Sylvester, ist das Opfer solcher Übergriffe durch den Richter. Sie wird von allen im Stich gelassen. Ihrer Mutter (Christiane Wilke) geht es nur um Schadensersatz für den Krug, sie steht ihrer Tochter nicht bei. Ruprecht (Patric Welzbacher), ihr Verlobter, den sie uneigennützig schützt, wirft ihr erst Untreue vor und verabschiedet sich dann zum Militär. Und selbst der eigentlich integre Gerichtsrat macht Annäherungsversuche.

Am Ende steht Eve, die einzig Aufrichtige, ganz alleine da. Eine zerrüttete und zerbrochene Seele. Indem Peters sie am Ende in den Fokus rückt, gewinnt er dem als Lustspiel deklarierten Werk eine überaus tragische Komponente ab. Das Publikum der von der Volksbühne angebotenen Veranstaltung goutiert die hohe schauspielerische Intensität mit lang anhaltendem Applaus.

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