Andrea Krauledat

Intendanz

Meine Damen und Herren, liebes Publikum,

es ist eine Herausforderung, die sich unserem Team und mir in jedem Jahr aufs Neue stellt:

Am Anfang steht die Frage, wie die letzte Spielzeit angenommen wurde. Die Antwort besteht aus Statistiken mit nackten Zahlen zur Platzausnutzung und der Einnahmesituation im Vergleich zu den Ausgaben. Dies ist natürlich Druck. Aber zu unserer großen Freude ist dies auch jedes Jahr seit 2010 Ausdruck einer großen Bestätigung unseres Weges, immer wieder andere und auch ungewohnte Produktionen anzubieten. Und dass Theater einfach nicht nur auf „Altbewährtes“ zurückgreifen darf. Kein Theater kann aber wirklich von sich behaupten, sein Publikum „richtig“ zu kennen. Es ist immer wieder der Versuch „Schwingungen“ aufzunehmen und das Feedback zu analysieren. Und für die Zukunft richtig zu deuten. Und es gibt immer wieder viele Überraschungen in der Resonanz des Publikums. Der Blick aufs Wesentliche – der Blick auf das, was zählt … so etwas muss Theater leisten.

Und so individuell wie das Wesentliche für jeden Menschen ist, so einzigartig ist auch jedes Theater in jeder Stadt. Natürlich muss das Theater auf die aktuelle Situation in der Stadt, in der Welt, in der Politik eingehen. Wir als Theatermacher sind deswegen in ständigem Dialog mit den unterschiedlichsten Theateranbietern. Hier aus den unglaublich vielen Angeboten zu filtern und die Essenz herauszuholen, was genau für SIE – liebes Publikum – das Richtige ist … Das ist die Kunst und der Versuch Sie von Theater immer und immer wieder nachhaltig zu überzeugen. Und nicht zuletzt ist das auch wichtig für den Zusammenhalt. So wie wir es mit „DAS NEUE WIR“ im Februar 2017 versucht und auch geschafft haben. Wir blicken voller Stolz auf die 3-tägige Veranstaltung in allen Räumen des Theaters zurück, bei der wir über 2.500 Menschen erreicht haben. Menschen unterschiedlicher Nationalität, unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Vergangenheit und Zukunft – alle haben sich zusammengefunden um miteinander zu feiern, zu essen, zu diskutieren und v. a. Dingen Berührungsängste abzubauen. Was außer der großen Freude über den riesigen Erfolg geblieben ist: Die Erkenntnis, dass Menschen zugewandt und solidarisch sind. Ganz entgegen der vielen anderslautenden Nachrichten, die tagtäglich auf uns einhämmern und mitunter versuchen uns in diesem Zusammenhalt durch das Schüren von Ängsten zu spalten.

Es liegt an jedem einzelnen, etwas für unsere gemeinsame Zukunft hier und jetzt zu tun. Und es lohnt sich. Dass das Projekt mit unbegleiteteten Geflüchteten „Blick nach vorn“, das speziell für unser ambitioniertes „Das neue Wir“ – Wochenende entwickelt wurde, ausgezeichnet wurde und zu den Berliner Festspielen im Mai 2017 eingeladen worden ist – ist natürlich das „i-Tüpfelchen“ für den großen Erfolg. Das Titelbild unseres Magazin 17 / 18 zeigt unsere neue Jugend – Produktion „Frühlings Erwachen“ – ein Foto, das programmatisch richtungsweisend ist. Unabhängig von unserem vielfältigen und ansprechenden Angebot der verschiedensten Genres und Theaterstücke in den 13 Abo-Ringen und den vielen Sonderveranstaltungen – hat sich das ganze Team des Stadttheaters Minden seit nunmehr 7 Jahren verstärkt mit seinen hochwertigen eigenen Jugendproduktionen einen Namen gemacht. Aber auch mit sensationellen Gastspielen:
Wir platzen vor Stolz, dass wir den wunderbaren Max Mutzke und MIKIs Takeover! Ensemble im Februar 2018 bei uns im Stadttheater begrüßen dürfen!

In diesem Sinne uns allen eine aufregende und spannende neue Spielzeit 17 / 18!

Ihre
Andrea Krauleda