Theater | Magazin - Spielzeit 26/27

3 Liebe Theaterbegeisterte, liebes Publikum, die vergangenen zwei Spielzeiten waren – sagen wir es ruhig selbstbewusst – sensationell. Eine Platzausnutzung, von der man nur träumen kann. Volle Reihen, volle Aufmerksamkeit, volle Energie. Darauf sind wir stolz. Es ist das Ergebnis gemeinsamer Arbeit: eines Theater-Teams, das begeistert für sein Publikum da ist. Mit Hingabe, Präzision und einer guten Portion Leidenschaft. Vor, auf und hinter der Bühne. Und genau mit diesem Rückenwind starten wir in die neue Saison 26 / 27. Wenn sie einen Titel trüge, dann: MUT. Mut zur Haltung, zur Größe, zum Dialog, zum Diskurs und zum Vergnügen. Theater ist der Kommunikator einer Stadt – ein Ort, an dem Perspektiven entstehen und Hoffnung erprobt wird. Wir bewegen uns mit. Wir sind ein „Moving Target“ in einer sich wandelnden Stadtgesellschaft und wir reagieren auf das, was geschieht. Theater ist ein evolutionärer Prozess – lebendig, streitbar, nicht ersetzbar. Mut heißt: Komplexität aushalten. Widerspruch zulassen und sich nicht in der eigenen Gewissheit einrichten. Theater ist tatsächlich einer der letzten öffentlichen Orte, an dem man gemeinsam denkt – nicht in virtuellen Kommentaren, sondern in einem Raum, in dem echte Menschen zur gleichen Zeit sitzen. Das ist heute beinahe revolutionär. In einer Zeit der schnellen Urteile und noch schnelleren Gewissheiten braucht es den Mut zur Differenzierung. Den Mut, zuzuhören. Den Mut, sich irritieren zu lassen. Theater ist ein öffentlicher Denkraum. Hier darf man zweifeln, widersprechen, lachen, staunen – und manchmal sogar die eigene Meinung überdenken. Perspektive entsteht nur, wenn wir uns etwas zutrauen. Genau wie Hoffnung. Ein Höhepunkt der Spielzeit 26 / 27 ist sicherlich gleich zu Beginn unsere Koproduktion der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“, gemeinsam mit der Nordwestdeutschen Philharmonie und dem Richard Wagner Verband Minden. Das Werk ist fast eine Komödie: über Kunst, Gemeinschaft und Erneuerung. Über die Frage, wer mitreden darf. Und ist also erstaunlich gegenwärtig. Wir freuen uns, dass die Produktion von großem bürgerschaftlichem Engagement getragen wird. Dieses Theater wird gewollt und das spürt man. Apropos – Mut hat viele Gesichter. Mut ist, eine Eigenproduktion in dieser Größenordnung auf die Bühne zu stellen – mit allem Risiko, aller Verantwortung und aller Leidenschaft. Mut ist, mit 80 Jahren im Heaven Can Wait Chor zu singen und zu zeigen, dass Energie keine Altersgrenze kennt. Mut ist, sich jemandem wie Arturo Ui entgegenzustellen – auf der Bühne wie im Leben. Mut ist, einen „Kardinalfehler“ einzugestehen. Mut ist „Nein zum Geld“ zu sagen. Mut ist seinem Sohn in dunkler Zeit zur Seite zu stehen. Und Mut ist, sich den Schatten- seiten des Lebens nicht zu entziehen, sondern sie auszuleuchten. Mut ist Teil des Stadtensemble zu sein und ganz neue Dinge zu probieren. „Das Leben ist ein Fest“ wird unser gemeinsames Stück für Sie und euch zum Abschluss dieser aufregenden Saison sein. Und auch das passt natürlich zu MUT. All das können Sie in der kommenden Spielzeit 26 / 27 bei uns auf der Bühne erleben. Wir brauchen Theater. Es macht uns gemeinsam stärker im Denken, im Fühlen, im Zweifeln. Das ist unsere Strahlkraft. Eine Stadt braucht Orte, an denen das Menschliche verhandelt wird. Wir sehen uns im Theater! Ihr Peter Kock und Ihre Andrea Krauledat

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