Theater | Magazin 20/21

Der Autor FERDINAND VON SCHIRACH Kaum ein anderer Schriftsteller ist zurzeit so gefragt wie Ferdinand von Schirach. Der 1964 in München geborene Strafrechtsverteidiger und Autor ließ sich 1994 als auf Strafrecht spezialisierter Rechtsanwalt in Berlin nieder. Buchstäblich über Nacht wurde er durch den Band „Verbrechen“, der Fällen aus seiner Anwaltskanzlei nachempfunden war, nicht nur bei uns, sondern international zum Bestsellerautor. Die Rechte wurden in über 30 Länder verkauft. Für das „meistbeachtete Debüt“ erhielt er 2010 den Kleist-Preis, eine der angesehensten Auszeichnungen, die der deutsche Literaturbetrieb zu vergeben hat. Auch von Schirachs Nachfolgewerk „Schuld“ erklomm sofort den Spitzenplatz der SPIEGEL-Bestsellerliste, ebenso wie die Romane „Der Fall Collini“ und „Tabu“. Um aktuelle juristische Fragestellungen geht es in der im August 2014 erschienenen Essaysammlung „Die Würde des Menschen ist antastbar“. Die Würde des Menschen ist unantastbar, sagt das Grundgesetz. Aber was heißt Würde? Wie sie angetastet wird, beschreibt von Schirach in den wie immer präzise und überzeugend formulierten, zwischen 2010 und 2013 für den SPIEGEL geschriebenen Essays. Sie erhalten ihre Dramatik dadurch, dass der Autor aufwühlende Taten dem rationalen Prozess der Rechtsfindung gegenüberstellt. Im März 2019 erschien von Schirachs neues Buch „Kaffee und Zigaretten“, in dem er außer Reportagen und biografischen Erlebnissen auch wieder Zeitthemen zur Diskussion stellt und zuletzt die SPIEGEL- Bestseller „Die Herzlichkeit der Vernunft“, ein Band mit Gesprächen mit Alexander Kluge, sowie die Erzählungen „Strafe“. 109 Sterbehilfe – Rechtslage in Deutschland: In der Rechtsprechung wird zwischen (erstens) aktiver Sterbehilfe beziehungsweise Tötung auf Verlangen, (zweitens) passiver Sterbehilfe, (drittens) indirekter Sterbehilfe und (viertens) der Beihilfe zum Suizid – auch „assistierter Suizid“ – unterschieden. 1. Die aktive Sterbehilfe ist bei uns verboten. Wer einem todkranken Menschen auf dessen Wunsch hin eigenhändig die Giftspritze setzt oder das tödlich wirkende Medikament einflößt, kann wegen „Tötung auf Verlangen“ bestraft werden. Nur in Luxemburg, in Belgien und den Niederlanden ist die aktive Sterbehilfe gesetzlich erlaubt; in Belgien und den Niederlanden inzwischen sogar für Kinder. 2. Die passive Sterbehilfe ist in Deutschland erlaubt, wenn eine entsprechende Willensäußerung des Todkranken oder eine gültige Patientenverfügung vorliegt. In diesem Fall können lebensverlängernde Maßnahmen (Beatmung, künstliche Ernährung) abgebrochen oder reduziert werden. 3. Erlaubt ist ebenfalls die indirekte Sterbehilfe. Gemeint sind damit Behandlungen (zum Beispiel von starken Schmerzen), die kurzfristig zu einer Verbesserung des Zustandes führen können, aber auch zu einer Verkürzung der Lebensdauer. Passive und indirekte Sterbehilfe sind in Europa nur in Polen ausdrücklich verboten. 4. Grundsätzlich straffrei ist bei uns der „assistierte Suizid“. Weil die Selbsttötung in Deutschland kein Strafdelikt ist, ist es die Beihilfe auch nicht. Der 2015 beschlossene Paragraf 217 StGB (Verbot der „geschäftsmäßigen“ Beihilfe) schränkte die Straffreiheit allerdings erheblich ein. Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020 ist bei uns der assistierte Suizid erlaubt, so wie in den Benelux-Staaten, in der Schweiz, in einigen Staaten der USA und in Kanada erlaubt. In China sind Suizidassistenz und aktive Sterbehilfe streng verboten. (Quelle :https://www.quarks.de/gesellschaft/sterbehilfe-deshalb-ist-die-rechts- lage-so-verwirrend/) Foto: Michael Mann/© Ferdinand von Schirach

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