Theater | Magazin 20/21

110 Interview Niels Gamm MEDEA ELECTRONICA Medea gehört zu den bekanntesten Frauenfiguren des klassischen Kanons schlechthin. Viele Dichter*innen, Komponist*innen und Künstler*innen haben sich der Geschichte der zauberkundigen Königstochter aus Kolchis angenommen. Und auch heute noch findet dieser universelle Stoff neue Deutungen. Warum: Weil ein guter Klassiker sich dadurch auszeichnet, virulente Fragen – auch an die Gegenwart – zu stellen. Weil ein echter Klassiker das Potential hat, uns auch etwas über das Hier und Jetzt zu erzählen. Und weil ein echter Klassiker einfach ein Garant für einen richtig guten Theaterabend bietet. Einen solchen ganz besonderen Abend werden wir mit MEDEA ELECTRONICA von Pecho Mama am 10. Februar 2021 erleben dürfen. Wir sprachen im Vorfeld mit Niels Gamm, Kulturconsultant, der die Tournee von Pecho Mama organisiert und begleitet. Viola Schneider : Lieber Niels, du arbeitest im Bereich Kultur-Consulting. Worin bestehen deine Aufgaben? Niels Gamm : Der Begriff Consulting leitet sich aus dem lateinischen Wort consulture ab: beraten, sich also zusammensetzen. Meinen Partner*innen biete ich einen Mantel der Verschwiegenheit, um in geschützer Atmosphäre auf Augenhöhe Ideen zu entwickeln. Dabei habe ich mich auf Tanz- und Körpertheater spezialisiert. Ich berate Ensembles auf internationaler Ebene und helfe individuelle, kreative Ansätze in Planung, Ent- wicklung und Durchführung zu finden. Dazu gehört ebenfalls die Tourneeplanung. Im Rahmen einer solchen Tournee kommen wir dann auch nach Minden. Darüber hinaus steht bei mir die inhaltliche, künstlerische Planung und Entwicklung im Mittelpunkt und somit der Austausch und die Kooperation. Dazu gehört Tänzer*innen- und Choreograf*innen- Entwicklung, künstlerische Ausrichtung und Durchmischung der Ensembles, Austausch von Ideen und Möglichkeiten. VS : Das klingt nach einem sehr umfangreichen Aufgabensprektrum. Wie sieht bei dir ein typischer Arbeitstag aus? NG : Ich versuche die Außensicht eines Beraters mit den inhaltlichen Aufgaben eines künstlerischen Produzenten zu verbinden. Genau das macht die Beantwortung nach einem typischen Arbeitstag schwierig: Jeder Arbeitstag – und das ist das Wunderbare daran – ist anders, je nach Jahres- und Spielzeit. Beginnend mit Planungen für die nächsten zwei bis vier Jahre, hinsichtlich der Überlegungen, welche Choreograf*innen mit welchen Ensembles zusammenarbeiten könnten, der Frage, welche Arbeiten wir zeigen und ins Repertoire aufnehmen möchten, die dann eben auf Tournee einem Publikum vorgestellt werden können – all das gehört zu meiner Arbeit. Und somit heißt es: Von Entwicklung über Proben bis hin in die programmatorische Zeit, wenn die nächsten Spielzeiten von den Theatern geplant werden, Tourneebegleitung, Foto: Penelope Gwen

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