Theater | Magazin - Spielzeit 23/24

Der „Parsifal“ ist Richard Wagners letzte Oper. Er ist zugleich die Krönung von Wagners Opernschaffen. Und er ist etwas Besonderes in vielerlei Hinsicht. Denn Wagner nannte sein „Weltabschiedswerk“ nicht etwa schlicht und ergreifend „Oper“, sondern betitelte „Parsifal“ als „Bühnenweihfestspiel“, ein Untertitel, der bis dahin in der Operngeschichte noch nicht vorgekommen war. Eine Anspielung auf den (nach Meinung Richard Wagners) besonderen und zum Teil religiösen Charakter dieses Werkes. Im übrigen wollte der Komponist das Werk zunächst nur den Bayreuther Festspielen vorbehalten; also es nur dort im von ihm selbst konzipierten Festspielhaus aufführen lassen. Was tatsächlich geschah: bis Ende 1913 war der am 26. Juli 1882 uraufgeführte „Parsifal“ durch eine 30jährige Schutzfrist nur für Aufführungen in Bayreuth vorgesehen. Die New Yorker Metropolitan Opera missachtete diese Vorschrift 1903 einmal: die daran beteiligten Künstler traf der Bann Bayreuths und der Wagner-Witwe Cosima, die den Beteiligten jede zukünftige Mitwirkung an den Festspielen auf dem „Grünen Hügel“ (wie das Festspielgelände auch gerne genannt wird) verbot. Als dann 1914 die Schutzfrist fiel, stürzten sich die Opernhäuser auf „Parsifal“. Das Barceloner Opernhaus (das „Liceu“) begann Punkt Mitternacht am 1. Januar mit einer Aufführung. Andere folgten sehr bald: Parsifal war endlich dort angekommen, wo er hingehörte: auf die Bühnen der Opernwelt. Was aber macht den „Parsifal“ so besonders? Was unterscheidet ihn von anderen Opern, dass man ihm bis heute etwas Mystisches andichtet und ihn zu den extravaganten Musiktheaterwerken zählt? Es hat viel mit der Handlung zu tun, die auch hier auf wenige spektakuläre Momente reduziert ist und viele Spekulationen eröffnet, was denn wohl eigentlich gemeint sein könnte. Kurzum: der „Parsifal“ hat die Interpreten in besonderer Weise herausgefordert. Erzählt wird vom siechen Gralskönig Amfortas. Dieser hat im Kampf gegen Klingsor, der einst nicht in die Gralsritterschaft aufgenommen wurde und jetzt ein Reich der Verführung errichtet hat, den heiligen Speer der Gralsburg verloren. Mehr noch: Amfortas wurde von Klingsor mit diesem Speer verwundet und die Wunde schließt sich nicht mehr. Alles wartet auf Heilung des kranken Amfortas. Das ist die Vorgeschichte. Parsifal – das Geheimnisvolle Werk

RkJQdWJsaXNoZXIy NzQ0Mjg=