Mit den „Meistersingern von Nürnberg“ ist der Höhepunkt des wahnwitzigen Mindener Wagner-Projekts erreicht.
(…) Am stärksten sind jedoch die leisen, intimen Momente. Sie gelingen in Minden auch deshalb so fabelhaft, weil das Publikum nah dran ist, das Orchester nicht dazwischenfunkt und dadurch leise Töne möglich werden. Zugleich ist die Textverständlichkeit ausgezeichnet.
Das bewährt sich besonders bei Hans Sachs’ großen Monologen, die der großartige Simon Bailey liedhaft-lyrisch anlegt, schlicht intoniert und aus der Sprache heraus entwickelt. Betörend ist sein „Flieder-Monolog“, den Beermann mit fast impressionistischer Geste und zart flirrender Tonspur unterfüttert. Von Wärme und tiefem Ernst durchdrungen ist auch Baileys „Wahn“-Monolog; auf der Festwiese verfügt er noch über genügend Reserven für die gefürchteten Stellen und stattet sie mit balsamischem Wohlklang aus.
Auch der Rest des Ensembles überzeugt. Stephen Chambers gibt David lyrische Farben und differenzierte Tongebung, ohne buffoneske oder scharf tönende Spieltenor-Allüren. Jussi Myllys kämpft als Walther von Stolzing anfangs etwas mit der Intonation, fängt sich aber bald und imponiert mit hellem Tenor-Strahl. Emma McNairy startet als Eva glänzend, muss sich in der Pause allerdings krankheitsbedingt zurückziehen. Kathrin Görings Magdalene klingt hell und wendig, Michael Borth macht auch stimmlich als Beckmesser eine blendende Figur.
Insgesamt wieder ein mitreißender Abend, getragen vom besonderen Mindener Geist: einer Verrücktheit, die in Zeiten des permanenten Rechtfertigungsdrucks ungemein beglückend und ermunternd ist. In Minden kann man erleben, welche Kräfte die Hochkultur freisetzen kann und wie sie eine kleine Stadt adelt, sie in Feststimmung versetzt. Das hallt lange nach.










