Schauspiel gegen den Krieg- und gegen das Vergessen von Wolfgang Borchert
mit Andreas Erfurth, Moritz Gehrckens, Leonard Göpfert, Rosemarie Klinkhammer,
Anja Lemmermann, Marco Litta, Laurenz Wiegend
sowie Tilman Ritter an den Instrumenten
Regie und Bearbeitung: Kai Frederic Schrickel
Produktion: Neues Globe Theater, Potsdam
Draußen vor der Tür

Draußen vor der Tür
Ein Mann kommt aus dem Krieg zurück – und findet keinen Platz mehr im Leben. Beckmann heißt er – aber niemand nennt ihn mehr beim Vornamen. Als hätte man ihm mit dem Namen auch das Ich genommen. Die Gesellschaft, der er diente, wendet sich ab. Was bleibt, ist das Stehen vor verschlossenen Türen. Draußen – vor der Welt, vor der Zukunft. Beckmann ist 25 Jahre alt, kommt aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück in das zerbombte Hamburg. Gezeichnet an Körper und Seele: das Knie zerschossen, die Gasmaskenbrille haftet ihm wie ein Fremdkörper im Gesicht – ein ständiges Zeichen der Entmenschlichung. Doch statt Rückhalt oder Verständnis findet er nur Ablehnung. In einer traumähnlichen Wanderung begegnet Beckmann nicht nur Menschen, sondern auch überhöhten Figuren: dem Tod, der Elbe, Gott – und dem Anderen, einer gespiegelten Version seiner selbst. Dabei öffnet sich eine vielschichtige theatrale Welt zwischen Realismus, Groteske und Lyrik – voller Sprachkraft, Widerstand und existenzieller Tiefe.
In einer Zeit, in der Fragen nach Kriegstauglichkeit, Wehrpflicht und Pazifismus wieder laut gestellt werden, trifft Beckmanns verzweifelte Suche nach Sinn und Menschlichkeit ins Mark. Gerade junge Menschen erleben hier keine bloße Geschichtsstunde, sondern eine emotionale Auseinandersetzung mit Verantwortung, Schuld und der Sehnsucht nach Frieden.
Ein Theaterabend, der aufrüttelt und nachwirkt – und die Tür nicht leise schließt. Denn Beckmann steht nicht nur draußen. Er steht vor uns.
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